Angeleitete Arbeitsgruppe


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Weitere Methoden

Die Zielgruppe definiert Gesundheitsprobleme, Ursachen und Lösungsstrategien selbst

Die angeleitete Arbeitsgruppe besteht aus Mitgliedern der Zielgruppe und wird von einer außenstehenden Person, die nicht zur Zielgruppe gehört, angeregt und moderiert. Eventuell können nicht nur Zielgruppenvertreter_innen, sondern auch andere kompetente Personen aus der unmittelbaren Umgebung der Zielgruppe (Lebensweltexpertinnen bzw. -experten) an der Arbeitsgruppe teilnehmen.

Der Gesundheitszirkel, eine Methode aus der betrieblichen Gesundheitsförderung, ist die in Deutschland bekannteste und am meisten verbreitete Form der angeleiteten Arbeitsgruppe im Gesundheitsbereich.

Die Stärke der Methode ist, dass sie der Zielgruppe die Möglichkeit eröffnet, gemeinsame Gesundheitsprobleme und deren Ursachen selbst zu definieren und Lösungsstrategien zu entwickeln. Auch die eigenen Gesundheits-Ressourcen und Stärken können bestimmt werden. Durch den hohen Grad an Selbstbestimmung ist die angeleitete Arbeitsgruppe per se eine Ressource für die Arbeit im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention.

Voraussetzungen

  •   Ein geeigneter Ort, an dem die Gruppe ohne Störung diskutieren kann
  •   Erfahrungen in der Moderation von Gruppengesprächen

Anwendungsbereiche

  •   Feststellung des Bedarfs einer Zielgruppe
  •   Entwicklung von Handlungsstrategien

Arbeitsschritte im Überblick

1. Gewinnung von Personen aus der Zielgruppe zur Teilnahme

2. Organisation eines Ortes

3. Durchführung der Diskussion (Moderation und Festhalten der Ergebnisse)

4. Umsetzen der entwickelten Strategien

Aufwand

Zeit

Die Gewinnung von Personen aus der Zielgruppe kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Häufigkeit und Dauer der Sitzungen sowie die Laufzeit der Arbeitsgruppe sollten von den Teilnehmer_innen entschieden werden.

Personal

Moderation der Arbeitsgruppe.

Material

Schreibblock und Stifte für das Protokollieren des Gesprächs.

Andere Kosten

Getränke und Kleinigkeiten zum Essen können gereicht werden.

Arbeitsschritte im Einzelnen

1. Gewinnung von Personen aus der Zielgruppe zur Teilnahme

Zielgruppenzugehörigkeit und eine starke Motivation, an einem solchen Prozess mitzuarbeiten, sind die zwei wichtigsten Kriterien für die Auswahl möglicher Teilnehmer_innen. Vorteilhaft ist die Teilnahme von Personen aus der Zielgruppe, die durch ihre vielen Kontakte und/oder ihre Führungsrolle einen besonders guten Einblick in die Probleme der Zielgruppe haben.

2. Organisation eines geeigneten Ortes

Für die Gruppentreffen sollte ein Veranstaltungsort gewählt werden, der zu einem Gespräch anregt. Es sollte also ein Ort sein, an dem sich die Arbeitsgruppenteilnehmer/-innen wohl fühlen und der gute Arbeitsbedingungen bietet. Öffentliche Orte - wie Parks, Restaurants etc. - sind hier nicht ausgeschlossen, solange ein Gruppengespräch ohne Störung stattfinden kann.

3. Durchführung der Diskussion (Moderation und Festhalten der Ergebnisse)

Aufgabe der Moderation ist es nicht allein, die Diskussion zu leiten, sondern in erster Linie einen Austausch zwischen den Teilnehmdenen zu ermöglichen. Je mehr Selbstorganisation die Teilnehmer/-innen übernehmen können, umso besser ist dies für die Entwicklung der Arbeitsgruppe. In welcher Form die Gesprächsergebnisse festgehalten werden, soll von den Teilnehmer_innen entschieden werden.

 4. Umsetzung der entwickelten Strategien

Die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern entwickelten Strategien müssen nicht unbedingt auch von ihnen (alleine) umgesetzt werden. Je nach Umfang und Schwerpunkt ist die Beteiligung von anderen - z.B. bestimmter Entscheidungsträger_innen oder Projektträger_innen - nötig. Die Moderation ist ebenfalls nicht für die Umsetzung der Strategien zuständig, sondern nur für die Begleitung der Gruppe bei der Klärung der nötigen Schritte bis zur Umsetzung.

Achtung !

  • Im Gegensatz zur Methode der Fokusgruppe bestimmt die Moderation einer angeleiteten Arbeitsgruppe nicht die Themen. Die Aufgabe der Moderation hier ist es, einen offenen und konstruktiven Austausch der Teilnehmer/-innen zu ermöglichen, damit gemeinsam Gesundheitsprobleme definiert und mögliche Handlungsstrategien entwickelt werden können.
  • Die angeleitete Arbeitsgruppe ist ein ergebnisoffener Prozess, der das eigenständige Agieren der Zielgruppe zur Verbesserung ihrer Lebenslage unterstützt. Wenn eine Einrichtung spezifische Informationen zur Verbesserung existierender Angebote und Strukturen sucht, sind andere Methoden (z.B. Blitzbefragung, Fokusgruppe) geeigneter.
  • Die angeleitete Arbeitsgruppe ist keine pädagogische, sondern eine auf Selbstbestimmung ausgerichtete Methode. Es handelt sich nicht darum, der Zielgruppe bestimmte Handlungsweisen oder Informationen beizubringen, sondern um eine Förderung der Selbstwirksamkeit oder Empowerment durch die Erfahrung der Selbstorganisation.

Weitere Tipps

  • Die Idee, eine Arbeitsgruppe zu bilden, kann für viele Zielgruppen zunächst uninteressant sein, da der Zusammenhang zwischen dieser Form der Zusammenarbeit und einer möglichen Verbesserung der eigenen Lebens- oder Gesundheitssituation nicht selbstverständlich ist. Eine Fokusgruppe kann einen unverbindlichen, zeitbegrenzten Einstieg in eine Diskussion der gemeinsamen Problemlage ermöglichen, der zur Gründung einer Arbeitsgruppe motiviert.
  • Eine zeitliche Begrenzung für die Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe kann ein motivierender Faktor sein, da der Beteiligung ein Ende gesetzt wird. Je nach Wunsch der Teilnehmer/-innen kann die Arbeitsgruppe jedoch über einen längeren Zeitraum tagen.
  • Ein von der Zielgruppe thematisiertes Gesundheitsproblem kann einen Anlass für die Gründung einer Arbeitsgruppe bieten. Diese direkte Verbindung zwischen einem bereits von den betroffenen Personen erkannten Problem und der Möglichkeit, gemeinsam zu handeln, ist eine günstige Ausgangslage für eine engagierte Zusammenarbeit.
  • Erfahrungen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung zeigen die Vor- und Nachteile an der Teilnahme von Personen an einer Arbeitsgruppe die nicht zur Zielgruppe gehören. Die Teilnahme von Personen außerhalb der Zielgruppe kann vorteilhaft sein, wenn diese einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheitsförderung der Zielgruppen haben. Gerade bei solchen gemischten Arbeitsgruppen muss jedoch gewährleistet sein, dass die Zielgruppe sich ohne Angst vor Repressalien oder anderen negativen Konsequenzen zu ihrer Situation äußern und entsprechende Handlungsschritte zur Verbesserung dieser Situation entwickeln kann. Um dies zu gewährleisten, kann z.B. die Möglichkeit dafür geschaffen werden, dass sich die Zielgruppenvertreter/innen auch in Abwesenheit der anderen Arbeitsgruppenmitglieder treffen, um ihre eigenen Standpunkte zu erarbeiten.

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