Befragung junger Drogengebraucherinnen aus der Prostitutionsszene


Weitere Praxisbeispiele


Dieses Praxisbeispiel gehört zu den Kapiteln:

  1. Wissenschaftliche Begleitung

    Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB); Forschungsgruppe Public Health, Berlin www.wzb.eu

  2. Präventionsmaßnahme, die qualitätsgesichert wurde

    HIV/Aidsprävention für jugendliche Drogengebraucherinnen aus der Prostitutionsszene
  3. Zielsetzung der Qualitätssicherung

    Entwicklung eines Befragungsinstrumentes, um das Wissen über und den Gebrauch von Kondomen in der Zielgruppe abzufragen.
  4. Worin bestand der Nutzen der Qualitätssicherung?

    Die Qualitätssicherung hatte sowohl einen Prozess- als auch einen Ergebnisnutzen.

    Prozessnutzen:

    • Die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit hat das implizite Wissen der Mitarbeiterinnen über ihre Tätigkeit explizit und damit transparent gemacht.
    • Zusätzlich wurde die Wertschätzung der eigenen Arbeit erhöht.
    • Die Identifikation einer neuen Zielgruppe ist besser gelungen.

    Ergebnisnutzen:

    • Die praktische Präventionsarbeit hat sich verbessert.
    • Die entwickelte Blitzbefragung in Form eines Quiz ist so kurz, dass sie in der täglichen Arbeit eingesetzt werden kann. Zum einen dienen die Ergebnisse der Befragung der Klärung des Bedarfs der Mädchen an zusätzlichem Wissen über Kondome und ihre Benutzung.
    • Zum anderen können diese Erkenntnisse für die weitere Planung von Maßnahmen, die der Aufklärung und Sensibilisierung für die Themen Safer Work und Safer Sex verwendet werden.
    • Außerdem kann das Instrument (Befragung) nach einer Aufklärung eingesetzt werden, um die Wirksamkeit der Maßnahme i. S. v. Wissenszuwachs bei der Zielgruppe zu überprüfen.
    • Die erlernte Methode zur Entwicklung von lokalen Zielen und Wirkungswegen (ZiWi-Methode) wird aktuell und zukünftig auch zu anderen Fragestellungen in der Einrichtung eingesetzt werden

    Die Qualitätssicherung hat Nutzen gebracht für

    • die eigene professionelle Entwicklung
    • die praktische Präventionsarbeit
    • die Zusammenarbeit im Team
    • die Zusammenarbeit mit der Zielgruppe
  5. Methodisches Vorgehen

    Das Team hat anhand der SMART-Kriterien und der Methode zur Entwicklung von lokalen Zielen und Wirkungswegen (ZiWi-Methode) die Präventionsziele der Einrichtung beschrieben. Diese konnten in lang-, mittel und kurzfristige Ziele unterschieden werden.

    Zur Spezifikation der Meilensteine und Wirkungswege auf dem Weg zu dem langfristigen Ziel HIV/STD-Prävention (Freisein von chronischen Infektionskrankheiten) zu erreichen, müssen die Klientinnen in die Lage zu einer eigenen Risikoabschätzung versetzt werden.

    Hierzu wiederum werden sie einerseits durch das Verfügen über gute Sachkenntnis zu STDs, Safer Use, Safer Sex und Safer Work befähigt. Andererseits müssen sie ebenfalls über Schutzmöglichkeiten verfügen und sie sachgemäß und selbstbewusst anwenden.

    Als Intervention erhalten die Klientinnen entweder im Sperrgebiet oder durch die Streetworkerin Kondome und Gleitgel und Informationen über deren Verwendung zur Vermeidung von HIV/STDs. Um sowohl den Bedarf der Klientinnen an Information als auch deren bereits vorhandenes Wissen zu und den Einsatz von Kondomen zu eruieren, wurde eine Blitzbefragung entworfen, die als spielerisches Quiz eingesetzt werden kann.

    Welche Methode(n) dieser Plattform wurden angewandt?

    • SMART-Methode
  6. Ergebnisse der Qualitätssicherung

    Ergebnisse des Quiz

    Vorhandenes Wissen bei den Klientinnen (Bestandsaufnahme):
    - Zur Kondombenutzung waren fast alle gut informiert.
    - Bei Fragen zu Verhüttungsmitteln waren fast alle bei den klassischen Verhüttungsmitteln "Pille" und "Kondome" gut informiert.

    Was muss vertieft werden (Bedarfserhebung)?
    - Zum Zyklus, Vorgänge im eigenen Körper waren fast alle Klientinnen erschreckend uninformiert. Die Mädchen und jungen Frauen hatten kaum eine Vorstellung, in welchen Phasen ein Zyklus abläuft und wie deren zeitliche Zuordnung ist.
    Die Klientinnen benötigen mehr Informationen zu:
    - Homosexualität
    - Verhütungsmitteln wie Ring, Stäbchen, Spirale
    - Informationen über sexuell übertragbare Krankheiten. Dass es beim Sex nicht nur darauf ankommt, eine Schwangerschaft zu verhüten, sondern sich auch vor STD`s zu schützen.

    Was ist von den Informationen, die vermittelt wurden, hängen geblieben (Evaluation)?
    - Sie wissen, dass es unterschiedliche Verhüttungsmittel gibt. Wir haben vermehrt Anfragen über Verhütungsring, Verhütungsstäbchen und Spirale. (Informationen, bzw. Begleitungen zu Frauenärzten werden angefragt).
    Auch weiteres Vertrauen ist aufgebaut worden, mit uns vorurteilsfrei über Sexualität sprechen zu können.
    Einige Mädchen waren selbst erstaunt, wie wenig sie über ihren Zyklus wissen. Nehmen Informationen (Broschüren, Erläuterungen am Torso) gerne an und fragen nach.

    Anhaltspunkte für neue/veränderte Interventionen (Strategieplanung):
    Einige Mädchen stehen Homosexualität sehr ablehnend gegenüber. (Ist pervers, eklig...). Wieso ist das so? Was können wir tun um Vorurteile abzubauen etc.

  7. Erfahrungen und Tipps

    Bei Jugendlichen ist es oft effektiver, Informationen auf spielerischer Ebene zu vermitteln. Die Fragen waren gut, das heißt entwicklungsgemäß ausgedacht, teilweise sind Fragen dabei, die verblüffen. (Wie oft z.B. ein Tampon gewechselt werden sollte) oder einfach Fragen, mit denen sie sich sowieso beschäftigen. (Freundschaft, Sexualität) Ich denke, eine gute Mischung aus den Bereichen war gut, da nicht nur "richtig" oder "falsch" geantwortet werden konnte, sondern auch Fragen gestellt wurde, wo es um eigene Einstellungen geht. Dies nahm den Mädchen den Druck, jetzt was Richtiges zu sagen und bot der Gruppe gleichzeitig Anreize, zur Diskussion. Insgesamt hatten die Mädchen viel Spaß an dem Quiz. Als zusätzlichen Anreiz, das Spiel in Gang zu bringen, verteilten wir kleine Gewinne. Zusätzlich zum Spiel habe ich noch einen Tisch mit allen Verhütungsmitteln, Dildo und Kondome zum üben und Informationsbroschüren aufgestellt. So konnten die Mädchen z.B. den Verhütungsring gleich angucken oder demonstrieren, wie ein Kondom richtig angewendet wird.


Dieses Praxisbeispiel gehört zu den Kapiteln:


Weitere Praxisbeispiele